Buchtipps vom Team

Was soll ich lesen?

Diese Frage stellt sich so manchem Bücherbegeisterten angesichts der Fülle und Vielfalt auf dem deutschen Büchermarkt und dem großen Angebot in der Gemeindebücherei Kastl. Wir vom Team möchten Euch die Auswahl erleichtern und stellen hier jeden Monat ein Buch vor, das wir gelesen haben und allen interessierten Lesern weiterempfehlen möchten.
Natürlich können die vorgestellten Bücher auch ausgeliehen oder vorbestellt werden. Weitere Infos dazu in unserem ONLINE-KATALOG

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Buch des Monats September 2022Schirach, Ferdinand von

Kaffee und Zigaretten

»Kaffee und Zigaretten« verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist »Kaffee und Zigaretten« das persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs.

Empfohlen von Maria Dürr
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Buch des Monats August 2022Lisa Graf

Dallmayr. Der Traum vom schönen Leben

Der Auftakt der Bestseller-Saga – zum Dahinschmelzen schön.
Therese muss nach dem Tod ihres Mannes um ihr Geschäft, das „Dallmayr“, kämpfen und gleichzeitig die Familie zusammenhalten.

München 1897: Therese und Anton Randlkofer gehört seit ein paar Jahren das Delikatessengeschäft „Dallmayr“. Mit Fleiß und Geschick haben sie es erweitert und sich einen Namen in der Münchner Gesellschaft gemacht. Plötzlich stirbt Anton und lässt Therese mit den drei Kindern, einem großen Kredit bei der Bank und einem Familiengeheimnis allein. Dies kommt Max, Antons jüngerem Bruder, gerade recht. Er hat schon seit einiger Zeit ein Auge auf das florierende Geschäft seines Bruders geworfen. Zusammen mit einigen Freunden versucht er zu erreichen, dass Therese ihren Kredit zurückzahlen muss, damit er als „Retter“ einspringen kann und so eine Beteiligung am Geschäft erhält. Die Belegschaft steht hinter ihr und hilft ihr, wo sie nur kann. – Ein Roman, der die Gesellschaft, das Leben, die Politik, die technischen Neuerungen, die Kunst, die Mode, die Rolle der Frau in Familie und Beruf und vieles mehr in München um die Jahrhundertwende abbildet. Anschaulich und kurzweilig wird dies alles um die Geschichte der Therese Randlkofer und des „Dallmayrs“ erzählt. Jede Figur in diesem Roman hat ihren Platz und kommt zu Wort. So werden nicht nur die Familie Randlkofer, sondern auch die Familie des Lehrbuben Ludwig, die Kunden des „Dallmayr“ und noch einige mehr mit einbezogen. Dies ergibt einen Querschnitt durch die Gesellschaft und ermöglicht den Lesenden Einblicke in unterschiedliche Gesellschaftsschichten, ihre Träume, Vorlieben und Möglichkeiten.

Empfohlen von Maria Dürr
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Buch des Monats Juli 2022 – Fredrik Backman

Britt-Marie war hier

Der wundervolle Bestseller um eine außergewöhnliche Heldin, die man einfach lieben muss. So humorvoll und berührend wie »Ein Mann namens Ove«

Britt-Marie liebt die Ordnung. Aber wer liebt Britt-Marie? Als sie plötzlich ganz allein dasteht, verschlägt sie ein Zufall nach Borg. Borg ist ein abgehängter Ort, in dem außer dem Dorfladen nichts mehr zu funktionieren scheint. Ein Ort, in dem eigentlich keiner mehr Hoffnung hat. Doch Britt-Marie tut, was sie tun muss: Sie räumt auf in Borg … Ein unglaublich bewegender und witziger Roman übers Neustarten und Mitspielen. Einfühlsam und mit seinem einzigartigen Humor geschrieben vom schwedischen Bestseller-Autor Fredrik Backman.

Empfohlen von Myriam Klatt
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Buch des Monats Juni 2022 –  Antoine Laurain

Eine verdächtig wahre Geschichte

Eine Star-Lektorin, ein literarischer Geniestreich, dem der Autor abhanden gekommen ist, und drei hilfreiche Morde: Antoine Laurain entzündet in seinem neuen Roman ein kriminalistisches Unterhaltungsfeuerwerk.

Die Pariser Star-Lektorin Violaine Lepage liegt nach einem schweren Unfall im Koma. Aber es kommt noch schlimmer: Als sie aufwacht, droht der unter ihrer Federführung erschienene Roman Die Zuckerblumen Frankreichs renommiertesten Literaturpreis zu gewinnen. Dabei ist der Autor unauffindbar! Das ist so sehr gegen die Konvention der Preisvergabe, dass Violaines Karriereende bevorsteht. Da kommen ihr drei Morde zu Hilfe, die sich just so ereignen wie im Roman beschrieben. Nun sucht auch die Polizei den unsichtbaren Autor. Wer hat Die Zuckerblumen geschrieben und warum? Die Antwort liegt gut versteckt in der realen Vergangenheit und nicht jeder will, dass sie entdeckt wird. Ein spannendes und geistreiches Lesevergnügen.

Empfohlen von Georg Dürr
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Buch des Monats Juni 2022  –  Ken Follet

Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit

Mittelalter-Roman, der in England um das Jahr 1000 spielt und ein Vorgänger von „Säulen der Erde“ ist.

Nach Jahrhunderten der Teilkönigreiche ist England geeint, König Ethelred herrscht über das Land. Aber die Überfälle der Nordmänner gibt es nach wie vor. 997 überfallen sie im Morgengrauen das Hafenstädtchen Combe. Edgar, Sohn eines Bootsbauers, ist bereits wach und warnt die Menschen; für viele kommt das zu spät, auch für seinen Vater. Da alles vernichtet ist, wandert Edgar ins Hinterland und findet in dem Weiler Drengs Ferry eine Bleibe. Er ist sehr geschickt in allen handwerklichen Berufen und ist dadurch bald bei der Priorei und dem idealistischen Mönch Aldred bestens angesehen. Auch die Normannenprinzessin Ragna hat es aus Cherbourg in das kalte, nasse England verschlagen, mit ihrem Ehemann Wilwulf hat sie jedoch kein gutes Los gezogen. Vor allem ihr Schwager, Bischof Wynstan, ein skrupelloser, ja verbrecherischer Würdenträger, macht ihr das Leben schwer. Zu ihren Besitztümern zählen auch die Ortschaft Drengs Ferry und ein nahegelegener Steinbruch. Edgar erhält von Ragna die Erlaubnis, aus dem Steinbruch Materialien zu entnehmen. So beginnt eine Freundschaft zwischen der Adeligen und dem einfachen Baumeister. Durch Edgars Initiative bekommt Drengs Ferry vom König die Genehmigung, eine Brücke über den Fluss zu bauen (Kings Bridge). Auch der Bau einer größeren Kirche wird begonnen; die Anfänge einer Kathedrale. Nach sehr vielen Irrungen und Wirrungen finden Edgar und Ragna trotz der Standesunterschiede zueinander. – Die Geschichte ist opulent und ereignisreich, sie umspannt den Zeitraum von 997 bis 1008, also 200 Jahre vor dem Geschehen in „Die Säulen der Erde“

Empfohlen von Maria Dürr
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17. Mai 2022

 John Ironmonger

 

 

Der Wal und das Ende der Welt

Das Buch der Stunde, das uns Hoffnung macht!

Ein kleines Dorf. Eine Epidemie und eine globale Krise. Und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt? Und wie können wir gut handeln, wenn alles auf dem Spiel steht? »Abenteuerlich und ergreifend.« Stern
»Dieser Roman gibt einem den Glauben an die Menschheit zurück.« Elle

Empfohlen von Gabi König
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1. Mai 2022

 

Duken, Heike

 

Denn Familie sind wir trotzdem

Ein generationenübergreifender Familienroman, der die Zeit von 1925 bis 2019 umfasst.
Die 19-jährige Ina will frei sein von Eltern und Deutschland und geht 1985 als freiwillige Helferin in ein Kibbuz nach Israel, lernt dort ihre große Liebe Ariel kennen, wird schwanger. Doch Ariels Familie akzeptiert eine Deutsche nicht – also kehrt sie nach Deutschland zurück und zieht ihre Tochter Floriane allein auf. Inas Vater Paul spricht nie über die schweren Traumata aus Kindheit und Kriegszeit. Seine Eltern ließen ihn und seinen jüngeren Bruder Gerd von einem Onkel erziehen, einem harten, sadistischen Mann und überzeugten Nazi, der seine Neffen prügelnd zu Soldaten erzog. Paul unterwarf sich seinem Onkel, Gerd weigerte sich, wollte Tierarzt werden, wurde aber eingezogen und fiel schon drei Wochen nach Kriegsbeginn. Paul ging zur Waffen-SS – und erkannte erst spät seine Verblendung und den Wahnsinn der Nazis. Sein Leben lang trägt er an seiner Schuld. Erst seiner Enkelin kann er alles erzählen. Floriane, quirlig, aufmüpfig, klug, erzählt ihrem unbekannten Vater in ihrem Tagebuch aus ihrem Leben. Wie ihre Mutter kämpft sie gegen Zwänge von Gesellschaft und Staat an – bis auch sie mit 18 Jahren schwanger wird. – In der autobiografisch inspirierten Familiengeschichte erzählt die Autorin aus verschiedenen Perspektiven mal ausschweifend, mal unter die Haut gehend, wie jede Generation sich an der vorhergehenden reibt, es besser machen will – Erfolg ungewis

Empfohlen von Elisabeth Weigl
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18. April 2022

Borkner, Fabian

Groumdeifl

Zwei Versicherungsdetektive auf Mördersuche in der tiefsten Oberpfalz.
Ein ungleiches Gespann sind sie, die zwei Versicherungsdetektive, die im Raum Schwandorf Schadensfällen auf die Spur kommen sollen. Der „Schadensfall“, um den sich Nordlicht Agathe Viersen und der „Eingeborene“ Gerhard Leitner zu kümmern haben, ist allerdings höchst makaber: Ein Toter im Teufelskostüm, aufgefunden in einer Straßenbaustelle, soll ein Versorgungsrohr beschädigt haben. Das Opfer, so stellt sich bald heraus, ist der Spiegler Harry, der einer „Pass“, einer Perchtengruppe, angehörte. Der hat sich in seinem kurzen Leben allerdings nicht viele Freunde gemacht. Die beiden Detektive der Jakortia-Versicherung, zwischen denen es übrigens ganz schön knistert, sollen nun herausfinden, ob der Sturz des Groumdeifl das Rohr beschädigt oder die Baufirma gemurkst hat. Im Rahmen ihrer Ermittlungen kommen sie unter anderem in Kontakt mit den Schwarzenfelder Bergteufeln, dem undurchsichtigen Lehrer Menner und einem höchst kommunikativen Kaffeekränzchen. – Der vierte Oberpfalz-Krimi von Fabian Borkner ist sicher keine Sternstunde der Weltliteratur, mit einigen Längen. Dennoch ist ihm einmal mehr ein durchaus unterhaltendes und sogar spannendes Werk gelungen.

Empfohlen von Manuela Donhauser
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10. April 2022

Neuhaus, Nele

In ewiger Freundschaft

Das bewährte Ermittlerduo Sander/von Bodenstein hat es mit einem Mord bei einem Literaturverlag zu tun.
Eine Frau wird vermisst. Im Obergeschoss ihres Hauses in Bad Soden findet die Polizei den dementen Vater, verwirrt und dehydriert. Und in der Küche Spuren eines Blutbads. Die Ermittlungen führen Pia Sander und Oliver von Bodenstein zum renommierten Frankfurter Literaturverlag Winterscheid, wo die Vermisste Programmleiterin war. Ihr wurde nach über dreißig Jahren gekündigt, woraufhin sie einen ihrer Autoren wegen Plagiats ans Messer lieferte – ein Skandal und vielleicht ein Mordmotiv? Als die Leiche der Frau gefunden wird und ein weiterer Mord geschieht, stoßen Pia und Bodenstein auf ein gut gehütetes Geheimnis. Beide Opfer kannten es. Das war ihr Todesurteil. Wer muss als nächstes sterben?  Pia und Bodenstein jagen einen Täter, der ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint …

Empfohlen von Maria Dürr
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26. März 2022

Borkner, Fabian

Berg, Fest, Mord

Ein spannender Krimi aus der Oberpfalz mit hochaktuellem Bezug vor traditionsreicher Kulisse.

Ein Mann bricht auf dem Annabergfest in Sulzbach-Rosenberg tot am Zapfhahn zusammen. Agathe Viersen und Gerhard Leitner machen sich für ihre Versicherung an die Ermittlungen. Handelt es sich lediglich um einen Unfall, oder war womöglich Absicht im Spiel? Ihre Recherchen führen zu den Bergfesten im Landkreis – und mitten hinein in ein gefährliches Geflecht aus grausiger Vergangenheit und knallharter Gegenwart.

Weitere spannende Krimis aus dem Amberg-Sulzbacher und Schwandorfer Raum aus der Feder von Fabian Borkner gibt es bei uns in der Kastler Gemeindebücherei zu endecken.

Empfohlen von Regina Weber
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20. März 2022

 Goldammer, Peter

Zirkus der Stille

Der schöne Umschlag verspricht nicht zu viel: je mehr sich Thaïs auf den Zirkus einlässt, desto magischer wird es. Ein Weg, auf dem sie zu sich selbst findet. Einfühlsam und mitreißend geschrieben, mit sehr sympathischen Zirkusleuten.
Thaïs Leblanc wächst nach dem Tod der Mutter bei ihrer Großmutter auf, der unvergleichlichen Victoria, wie sie auf Zirkusplakaten tituliert wird. Thaïs verabscheut das Zirkusleben und zieht, kaum volljährig, nach Paris; sie will nur eins: Normalität. Doch als die Großmutter stirbt, konfrontiert deren seltsames Testament sie mit ihrer Familiengeschichte, die sie zum wundersamen Cirque perdu und seinem Direktor Papó bringt. Dort lernt Thaïs, dass man sich seinen Ängsten stellen muss und für die wichtigsten Dinge im Leben keinen Applaus von anderen braucht.

Empfohlen von Birgit Geitner
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13. März 2022

Owens, Delia

Der Gesang der Flusskrebse

Schicksal einer jungen Frau, die in den 1950er Jahren als Kind von ihrer Familie verlassen und später des Mordes an ihrem Liebhaber verdächtigt wird.

Im nahezu unbewohnbaren Marschland der Atlantikküste von North Carolina muss die 6-jährige Kya miterleben, wie ihre vom alkoholkranken Vater misshandelte Mutter ihre Familie heimlich verlässt. Auch ihre vier Geschwister und ihr Vater verlassen ihr Zuhause nach und nach. Kya tröstet sich mit Streifzügen durch die Natur, wobei sie eine Menge Fundstücke zusammenträgt. Nach nur einem Tag in der Schule, wo sie gehänselt und gemieden wird, gelingt es Kya, sich vor den Behörden zu verstecken – Lesen, Schreiben und Rechnen lernt sie mit 14 von ihrem Freund Tate, der die junge Erwachsene auch verlässt, um andernorts zu studieren. In ihrer Einsamkeit beginnt Kya eine Liebesbeziehung zu einem jungen Mann, der sie ständig betrügt und eines Tages tot aufgefunden wird: Kya wird als Täterin verdächtigt. Die spannende Story wird aus der Sicht und in der Sprache des Kindes und der späteren Erwachsenen erzählt. Die Geschichte lebt nicht nur von dem Kriminalfall, sondern auch von der zerstörten Gefühlswelt der Protagonistin, die sich in die Natur ihrer Heimat flüchtet und ihr eigenes Verhalten nach deren Handeln ausrichtet. Nebenbei erfahren die Leser*innen von interessanten Phänomenen der Tier- und Pflanzenwelt, die die Protagonistin beobachtet.

Empfohlen von Elisabeth Weigl
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5. März 2022

Sandberg, Ellen

Das Geheimniss

Der neue SPIEGEL-Bestseller von der Meisterin der psychologischen Spannung

Ulla eine Frau in der Mitte Ihres Lebens, erfolgreich, eine Tochter, geschieden, kommt nach vielen Jahren in das Haus ihrer Mutter an den Chiemsee. Die Mutter hat sich vor langer Zeit das Leben genommen. Ulla weiß wenig von Ihrer Mutter Helga. Helga hat ihre Tochter Ulla plötzlich nicht mehr sehen wollen und sie ihrem Vater und dessen neuer Frau in Obhut gegeben. Ulla ist skeptisch und verunsichert, was sie erwartet in diesem Haus. Schnell spürt sie die Nähe zu dem Ort, da es ja der Ort ihrer Kindheit war. Manche alten Freunde sind noch da. Vieles ist vertraut – doch manches fremd. Wer war ihre Mutter? Sie ist eine Künstlerin, hat in einer Kommune gelebt, aber warum hat sie sie verstoßen? Ulla findet Kassetten, die ihre Mutter für Ulla besprochen hat. Immer mehr dringt sie ein in das Leben ihrer Mutter, aber auch in ihr Leben. Sie entdeckt was passiert ist, erkennt was ihr verheimlicht wurde. Langsam, ganz langsam versteht sie ihre Mutter und ganz langsam erkennt sie manches an sich selbst, was ihr unklar war… – Ein wunderbares Buch über drei Generationen, über ein Lebensgefühl und über eine Zeit, die wir Leserinnen nicht erlebt haben. Es ist nie zu spät, zu verstehen und verstehen zu wollen. Ellen Sandberg erzählt komplexe Zusammenhänge sehr spannend. Nehmen Sie sich die Zeit, und lassen Sie sich in den Bann ziehen von dieser Geschichte.  Weitere spannende Bücher von Ellen Sandberg gibt es in der Bücherei !

Empfohlen von Georg Dürr
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26. Februar 2022

Ildikó von Kürthy

Es wird Zeit

«Was soll jetzt noch kommen?» Judith ist fast fünfzig, und auf diese Frage fallt ihr leider keine zufriedenstellende Antwort ein. Die Kinder sind groß, ihr Mann ist in die Jahre gekommen und das Leben auch. Von der Liebe und dem Bindegewebe mal ganz zu schweigen. Dann stirbt ihre Mutter, und Judith kehrt nach zwanzig Jahren in die alte Heimat zurück, wo sie ein gut gehütetes Geheimnis, ein leeres Grab und einen Haufen Hoffnungen, Träume und Albtraume zurückgelassen hat. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Eine lebenslange Lüge stellt sich als Wahrheit heraus. Eine wiedergefundene Freundin hofft, den nächsten Sommer noch zu erleben, und will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist. Eine Jugendliebe funkelt vielversprechend, eine Urne macht Umwege, und Judith stellt fest, dass es besser ist, sich zu früh zu freuen, als überhaupt nicht.
«Es wird Zeit» ist eine Geschichte von Schuld und Freundschaft, vom Älterwerden und vom Jungbleiben, es geht um die Heimat, die Liebe und den Tod und darum, dass am Ende nichts verlorengehen kann.

Empfohlen von Karla von Klenck
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19. Februar 2022

Bogdan, Isabel

Der Pfau

Banker und Pfaue auf schottischem Landsitz – schrullige Menschen und verrückte Tiere.
Hamish und Fiona McIntosh vermieten auf ihrem schottischen Landsitz Cottages, um Geld für den Unterhalt des Herrenhauses zu verdienen. Auf dem Gelände leben Pfaue, von denen einer verrücktspielt und alles Blaue attackiert. Ins Herrenhaus zieht zur Teambildung eine Gruppe Londoner Banker mit Köchin und Chefin (natürlich mit blauem Auto) ein. Der Pfau greift das Auto an, der Hausherr erschießt den angriffslustigen Pfau, doch die Chefin glaubt, ihr Hund habe ihn gerissen. So beginnt eine Folge von Verstrickungen und gruppendynamischen Prozessen. Nach einem Wetterumschwung sind alle eingeschneit und kommen nicht mehr weg. Und dann verschwindet auch noch die Gans. Ob sie auf dem Teller landet? – Nette Unterhaltung ohne großen literarischen Anspruch, an manchen Stellen ein wenig allzu seicht – und der Uranus ist mit bloßem Auge nicht sichtbar.

Empfohlen von Birgit Geitner
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12. Februar 2022

Abel, Susanne

Stay away from Gretchen

Eine verbotene Liebe in schwierigen Zeiten.
„Seine Mam hat vergessen, dass sie alles vergessen wollte!“ Eigentlich hat Tom Monderath, ein bekannter und vielbeschäftigter Kölner Journalist, keine Zeit und Lust, sich noch mehr um seine 84-jährige Mutter zu kümmern. Aber als die Diagnose Demenz nicht mehr zu leugnen ist, sieht er sich in der Verantwortung. Die Demenz fördert Lebenserinnerungen aus früheren Zeiten zu Tage: ihre Kindheit im russischen Preußisch Eylau, ihre Flucht nach Westen und der Neubeginn als Jugendliche in Heidelberg. Viele Dinge wurden in Toms Kindheit nicht ausgesprochen, es wurde geschwiegen zu den Verletzungen in der Kindheit und Jugend der Mutter, die im Erwachsenenalter immer wieder mit Depressionen zu kämpfen hatte. Durch die Erfahrung mit der Demenz seiner Mutter und das Lesen alter Briefe bekommt Tom ein ganz neues Bild von ihr. Dabei stößt er auf ein wohlgehütetes Geheimnis: Er hat eine Schwester, die seine Mutter mit einem schwarzen GI nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen hat und die zur Zwangsadoption in die USA freigegeben wurde. Hinterfragt durch die Recherche in der Vergangenheit seiner Mutter, muss der Mittvierziger auch in seinem eigenen Leben einiges neu überdenken und ordnen. – Außer den Themen Demenz, Flucht und Vertreibung, Neuanfang in der neuen BRD steht vor allem die Geschichte um die „Brown Babies“ im Mittelpunkt der Erzählung. Ein spannendes Zeitdokument über die Lebensperspektiven der Mischlingskinder der 1940er Jahre. Unterhaltsam, lebensklug und informativ – wobei die Figur des Sohnes etwas mehr Schattierung verdient hätte. Sehr empfehlenswert.

Empfohlen von Christa Kastner
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5. Februar 2022

Silberhorn, Sonja

Höllbachtal – Ein Oberpfalz Krimi

, dessen Spuren in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen.
Die Autorin widmet dieses Buch ihrem Urgroßvater Max Windhager, der 1943 im Konzentrationslager Sachsenhausen gestorben ist. In der fiktiven Geschichte hinter ihrem Roman kommt ihm als Max Schlagbauer, der mit seiner Meinung über Hitler und die Nationalsozialisten nicht hinter dem Berg hält, eine besondere Rolle zu. Kriminalhauptkommissarin Lene Wagenbach, die leitende Ermittlerin ist, wird zu einem Mord auf dem Steinerhof im Höllbachtal gerufen. Zuerst geht sie davon aus, dass es sich um einen Raubmord an der frühpensionierten 51-jährigen Lehrerin Amanda Heinz handelt, wird sich aber sehr bald sicher, dass es hier um mehr geht. In den durchnummerierten Abschnitten springt die Geschichte, kenntlich gemacht durch das Datum, immer wieder in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Hier wird Max Schlagbauer vorgestellt, der im Wirtshaus seine negative Einstellung zu Hitler und den Nationalsozialisten lautstark kundtut. Diese Form der Gliederung zieht sich so durch das Buch. Es wechselt zwischen Familiengeschichte und spannendem Krimi, bei dem die Ermittlerin immer mehr herausfindet, dass die Ermordete hinter ein brisantes Familiengeheimnis gekommen war, bei dem es um ein „grausames Verbrechen aus der Vergangenheit“ geht. Da die historischen Einschübe durch Datum gekennzeichnet sind, fällt es Lesern nicht schwer, die unterschiedlichen Handlungsstränge auseinander zu halten. Das spannende Buch ist mit seinen Bezügen zur Nazi-Vergangenheit sicher für viele Leser/innen echt lesenswert.

Empfohlen von Georg Dürr
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29. Januar 2022

Carsten Henn

Der Buchspazierer

Ein 72-jähriger Buchhändler bringt besonderen Kunden bestellte Bücher nach Hause – unterstützt von einer forschen Neunjährigen.

Der alte Buchhändler Carl Kollhoff lebt zurückgezogen in einer Wohnung voller Bücher und freut sich jeden Tag darauf, am Abend nach Geschäftsschluss der Buchhandlung, in der er sein Leben lang gearbeitet hat, einigen besonderen Kunden ihre bestellten Bücher bei einem Spaziergang durch die Stadt nach Hause zu bringen. Er wird immer schon freudig oder ungeduldig erwartet, wechselt aber jedes Mal nur wenige Worte mit ihnen; er fürchtet, sonst aufdringlich zu wirken. Eines Tages gesellt sich die aufgeweckte, naseweise und forsche neunjährige Schascha bei seinem Buchspaziergang zu ihm. Sie bringt die Routine dieser Lieferungen gründlich durcheinander, bei ihm und bei den Kunden. Sie öffnet schon mal ungefragt Türen, poltert in Wohnungen, stellt direkte Fragen – und spürt genau, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Sie bringt Carl dazu, genauer hinzuschauen, auf Zwischentöne zu hören – und beide versuchen zu helfen. Beide sind überzeugt, dass es für jeden Menschen für jede Situation das richtige Buch gibt. Doch als die neue Chefin der Buchhandlung ihm kündigt, gibt Carl sich fast auf – aber da kennt er Schascha schlecht! – Ein liebenswerter und unterhaltsamer Roman über leidenschaftliche Bücherleser, humorvoll und traurig zugleich erzählt – all die oft skurrilen Charaktere dieser Geschichte wachsen den Lesern ans Herz. Jedem Bücherliebhaber gern empfohlen!

Empfohlen von Karla von Klenck
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21. Januar 2022

Ewald Arenz

Der große Sommer

Die große Liebe, psychische Probleme des besten Freundes, und eigene schulische Probleme bestimmen den Sommer des siebzehnjährigen Frieder.
Während Frieders große Familie in Urlaub fährt, muss er zu seinem strengen Großvater ziehen. Keine verlockende Aussicht, denn Lernen wird dort seinen Tageslauf bestimmen, um den Verbleib am Gymnasium zu sichern. Doch dann findet er seine große Liebe und lernt seine Großeltern kennen, die ihm weit mehr Zuneigung und Hilfe zukommen lassen, als er sich das gedacht hätte. Nur sein bester Freund zerstört durch eine heftige Psychose fast sein Glück. Doch am Ende dieses Sommers hat Frieder nicht nur für die Schule gelernt, sondern noch mehr fürs Leben. – Der Roman lässt den Leser eindringlich an dieser Entwicklung teilnehmen. Da jedoch Frieder in einer Zeit ohne Internet aufwächst, ist diese Geschichte nur schwer in der heutigen Zeit vorstellbar und vielleicht gerade darum besonders empfehlenswert.

Empfohlen von Gabi König
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14. Januar 2022

Ralf Hoppe,  Dirk Rossmann

Der Zorn des Oktopus

SF-Thriller um die Klimakatastrophe und die Rettung der Welt.

Die Erde in knapp zehn Jahren: Die Klimakatastrophe ist Realität und ein internationales Staatenbündnis will mithilfe eines Supercomputers das Schlimmste verhindern. Doch ein indischer Milliardär bekommt Zugang zu diesem Computer und will damit seine eigene radikale Vision einer nur für wenige Menschen lebbaren Zukunft durchsetzen. Dafür will er die Natur missbrauchen. Doch Thomas Pierpaoli, ein mittlerer Beamter im Hochkommissariat der Klimaallianz, sowie die millionenschwere Sängerin Ariadna wollen das verhindern. Schließlich kommt es zum alles entscheidenden Showdown in Sibirien. – Das Autorenduo schreibt nicht nur ungemein fesselnd. Es hat das Thema Klimakatastrophe (Wie bereites im Band – Die Rache des Oktopus) in seinen verschiedenen Auswirkungen auch blendend recherchiert. Herausgekommen ist ein Science-Fiction-Thriller, der nicht nur spannend ist, sondern auch zum Nachdenken anregt. Absolut lesenswert.

Empfohlen von Georg Dürr
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