Kastl erlebt eindringliche Lesung über ein Leben im Schatten der Stasi

Eindrucksvolle Lesung im Obergeschoss der Kastler Bücherei: Ein Leben im Visier der Stasi

Unter dem Titel „Abgehört, beschattet, verfolgt – ein Leben im Fadenkreuz der Stasi“ begeisterte der ehemalige BR-Reporter Eberhard Schellenberger das Publikum in der Gemeindebücherei Kastl. Mit seiner vielfach gezeigten Lesung aus dem Buch „Deckname Antenne“ machte er nun auch in Kastl Station und traf auf großes Interesse.

Schellenberger spannte den Bogen vom Mauerbau bis zur Wiedervereinigung und gab eindrucksvolle Einblicke in seine persönlichen Erfahrungen mit der Staatssicherheit der DDR. Seit einer privaten Reise 1984 stand er im Fokus der Stasi, die eine rund 400 Seiten umfassende Akte über ihn anlegte. Besonders im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Suhl wurde er intensiv überwacht – ein zentrales Thema seines Buches.

Die Lesung überzeugte durch ihren multimedialen Ansatz mit Textpassagen, Bildern, Stasi-Akten sowie Originaltönen und Videos aus dem BR-Archiv. So wurde die deutsch-deutsche Vergangenheit für das Publikum anschaulich und greifbar.

Der Journalist, Jahrgang 1957, begleitete die deutsche Teilung über Jahrzehnte hinweg und erlebte den Mauerfall sowie die Wiedervereinigung hautnah. Bewegend schilderte er seine Live-Berichterstattung in der Nacht des 3. Oktober 1990 – einen der prägendsten Momente seines Lebens. Sein Buch richtet sich bewusst auch an jüngere Generationen.

Die Gemeindebücherei Kastl bewies mit dieser Veranstaltung erneut ihr Gespür für gesellschaftlich relevante Themen und zog zahlreiche Interessierte an. Im Anschluss nahm sich der Autor Zeit für Gespräche und Signaturen. In einem Büchereiexemplar hinterließ er die Worte: „Freiheit ist nicht alles, aber ohne Freiheit ist alles nichts“ nach dem Titel des Romanes von Ilse Obenland.

Das Buch „Deckname Antenne“ kann in der Gemeindebücherei ausgeliehen werden!